Donnerstag, 29. August 2013

DEN TOD IM GEPÄCK



Wo er geht und steht, hat der Marine-Unteroffizier Michael Stromm einen blinden Passagier im Gepäck. Es ist ein besonders grausiger Gefährte, den niemand in seiner Nähe wissen möchte. Und doch ist der TOD Michaels ständiger Reisebegleiter, lässt sich nicht abschütteln, lauert auf die günstigste Gelegenheit, ihn in sein Reich zu entführen. Und an brenzligen Situationen mangelt es in diesem aufwühlenden Kriegsroman nun wirklich nicht. Aber anscheinend hält ein besonders starker und kämpferischer Schutzengel immer wieder seine schützende Hand über den Protagonisten.

Ole R. Börgdahl ist mit "Faro" ein spannungsgeladenes Werk gelungen, das den Leser die Gräuel des 2. Weltkriegs miterleben lässt, ihm Tod, Verwundungen, aber auch das Leid der Vermissten und deren Angehörigen, die ohne ein Lebenszeichen ihrer Söhne, Ehemänner, Verlobten, Brüder und Anverwandten zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin- und hergerissen werden, eindrucksvoll vor Augen führt.

Jeder, den  die verheerende Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten sowie Angst und Unglück, die sie auf die Länder dieser Erde schleuderten,  nicht kalt lässt, sollte Börgdahls Buch lesen und seiner Bibliothek einverleiben. Als Mahnmal, das alle Herrschenden der Welt verinnerlichen müssten, seien es demokratisch gewählte Vertreter des Volkes oder machtbesessene Diktatoren. Denn Verlierer ist am Ende die gesamte Menschheit:  KRIEG IST NIE EINE ALTERNATIVE!!!


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geht an die Nieren! 29. August 2013
Format:Kindle Edition|Von Amazon bestätigter Kauf
Donnerwetter! Der Roman hat es in sich, trifft das Zentrum des Gemüts. Knallhart und schonungslos authentisch schildert der Autor zu Beginn den Werdegang des vom Naziregime manipulierten Marine-Unteroffiziers Michael Stromm, der in einem U-Boot seinen Einsatz im 2. Weltkrieg absolviert.

Als das fiktive U-810 von den Alliierten zerstört wird und die Mannschaft ins kalte Wassergrab sinkt, gelingt es Michael, als einzigem Überlebenden, sich in ein Schlauchboot zu retten. Mehr tot als lebendig und die meiste Zeit ohne Bewusstsein wird er von den Wellen an die Küste des von Franco beherrschten Spaniens getrieben. Der Faschist hält sich aus dem Krieg heraus, hat sein Land zur neutralen Zone erklärt. Glück für den in einer Felsklippe eingeklemmten Michael. Es ist das Ufer Maspalomas' auf Gran Canaria, an dem er strandet und vom Leuchtturmwärter Paulus Cavarro gefunden wird, der nach dem Grundsatz lebt: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut." Er und die Spanierin Serina pflegen ihn selbstlos, päppeln den Verletzen auf und versorgen ihn sogar mit falschen Papieren, sodass er sich, als schwedischer Neffe des alten Paulus getarnt, ungehindert auf der Insel bewegen kann, nach und nach spanisch lernt und Freundschaften knüpft.

Michael gesteht sich mehr und mehr ein, wie ihn die Kriegshetze der Nazis verblendet hat, hört Thomas Mann, der sich in ergreifenden Reden auf dem Sender BBC an die Deutschen wendet, ihnen die Augen öffnen will. Und die Worte des großen Schriftstellers tragen Früchte bei dem ehemaligen Unteroffizier ...

"EL FARO", der Leuchtturm, bleibt für lange Zeit der Dreh- und Angelpunkt in Michaels Leben. Noch ist ihm nicht bewusst, dass er längst Feuer gefangen und sich in Serina verliebt hat. Zu sehr kreisen seine Gedanken darum, wie er wieder in die Heimat gelangen kann. Doch das soll ein langer und steiniger Weg werden.

Verrat und Trug von Spionen, die er als Freunde anngesehen hatte, gehören ebenso zu der Handlung, die mit jeder Seite mehr an Spannung und Abenteuern zunimmt, wie die Suche nach den Verbrechern des teuflischen Regimes im 3. Reich, die sich bei Beendigung des Krieges durch Flucht in Richtung Argentinien ihrer Strafe entziehen.

Und hier, in Argentinien und Chile wird das Buch derart fesselnd, so reich an Wendungen und gefahrvollen Aktionen, dass es dem Leser den Atem verschlägt und er nicht mehr imstande ist, seinen Blick, und sei es auch nur für Minuten, vom Text abzuwenden. Wie von ferngesteuerter Magie wird er in den Sog der Handlung gezogen, ist nicht länger Zuschauer, nein, fühlt sich mittendrin im Geschehen.

Die Rechtschreibfehler haben meinen Lesegenuss in keiner Weise geschmälert, weil mich die Wucht der Wortgewalt dieses außergewöhnlichen Werkes derart fasziniert hat, dass ich einfach darüber hinweggelesen habe, was mir eigentlich nicht passiert. Gäbe es mehr als 5 Sterne, würde ich sie dieser mitreißenden Lektüre mit Freuden zukommen lassen.

Ein unglaublich packendes Werk ist dem Autor mit "Faro" gelungen. Chapeau! Spitzenliteratur vom Feinsten.

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